01 / Nachgewiesene Einsatzrollen

Die Bewaffnung war vom Auftrag abhängig.

Einsatzbewaffnung und Varianten: kein einheitlicher Rüststand für alle Flugzeuge
Ausstattung / RolleEinordnung in der Bundeswehr
M61 Vulcan, 20 mmBordkanone der bewaffneten F-104G. Nicht pauschal auf Trainer und Aufklärungsrüststände übertragbar.
AIM-9B SidewinderLuft-Luft-Lenkflugkörper; später auch AIM-9B FGW Mod 2. Je nach Ausrüstung waren Träger an den Flügelspitzen und ein Doppelträger unter dem Rumpf vorhanden.
Konventionelle Luft-Boden-BewaffnungBomben und ungelenkte Raketen gehörten zum Jagdbomber-Aufgabenspektrum. Rüststand und Freigaben bestimmten die tatsächlichen Möglichkeiten.
Nukleare RolleDie F-104G war in die nukleare Teilhabe der NATO eingebunden. Das beschreibt einen historischen Auftrag, keine durchgängige Beladung aller Flugzeuge.
Kormoran bei den MarinefliegernSpätere Integration eines Seezielflugkörpers. Diese Marine-Ausstattung wird nicht als allgemeiner Standard der frühen Luftwaffen-F-104G dargestellt.
RF-104G und F-104FIm fotografischen RF-104G-Rüststand ersetzten Kameras und zugehörige Einbauten die Kanonen-Konfiguration. Die F-104F war ein unbewaffneter Trainer.

Auch scheinbar einfache Zahlen können unterschiedliche Stände beschreiben. Lockheed führt 1963 einen Vorrat von 750 Schuss für die Kanone an. Die deutsche F-40-Dokumentation nennt maximal 725 Schuss und eine spätere Begrenzung auf 260 Schuss. Für die deutsche Einsatzgeschichte sind diese Angaben auseinanderzuhalten.

Quelle: F-40 024, PDF 21; F-40 025, PDF 17; F-40 038, PDF 64 →

Auch die Feuerleitung hatte verschiedene Stände.

Michels Dokumentation nennt für die Luftwaffen-Jagdbomber zunächst die Änderung auf F-15B/A und später, mit ECP 2024, F-15B/D. Die Museumsmaschine 21+53 erhielt diesen späteren Stand. Diese Entwicklung der Feuerleitung ist von Lockheeds Maximum-Weapons-Mock-ups getrennt zu beurteilen: Eine Nachrüstung des Systems beweist nicht die Einführung der dort gezeigten Mehrfachbeladungen.

Michel, S. 16 / PDF 16; weitere Details auf der Technikseite →

02 / Das Herstellerangebot 1963

Eine Option im Katalog ist noch keine Einsatzfähigkeit.

Das MAP-Handbuch nennt neben der Bordkanone und Sidewinder verschiedene Bomben, Raketenbehälter und den Luft-Boden-Lenkflugkörper GAM-83A Bullpup. Es beschreibt damit eine Bandbreite konstruktiv vorgesehener Möglichkeiten.

Lockheed schränkt diese Darstellung selbst ein: Die tatsächlich verfügbare Fähigkeit hängt von der Beschaffung der geeigneten Träger, Aufhängungen, Auslöse- und elektrischen Einrichtungen ab. Die Auflistung ist deshalb kein Beleg, dass all diese Waffen bei der Bundeswehr integriert oder eingesetzt wurden.

Außenlasten in der Frontalansicht. Um 1960 · historische Aufnahme. Eine am Boden fotografierte F-104G mit Flügelspitzentanks und mehreren Außenlasten. Das Bild veranschaulicht eine gezeigte Anordnung; es belegt keine Freigabe oder Einführung dieses Rüststands bei der Bundeswehr.

Foto: U.S. Air Force · Public Domain (USA) · Bildquelle ↗

Sechs mögliche Positionen bedeuten nicht sechs nutzbare Lenkflugkörper.

Für Sidewinder beschreibt das Handbuch sechs mögliche Anbaupositionen, begrenzt die selektive Anwahl aber auf vier Lenkflugkörper pro Flug. Das Beispiel zeigt den Unterschied zwischen einem geometrisch vorhandenen Platz und einer vollständig nutzbaren Systemfunktion.

Quelle: MAP-Handbuch, S. 16–17 / PDF 18–19 →

03 / Maximum Weapons Capability

Ein sichtbares, nicht umgesetztes Erweiterungskonzept.

Schon der Titelzusatz „Mock-up Photos“ benennt den Charakter der Broschüre. Die Fotografien zeigen am Boden verschiedene Anordnungen von Bomben, Raketenbehältern und weiteren Außenlasten. Sie dokumentieren die Präsentation eines Konzepts; eine Flugerprobung, Freigabe oder Einführung in die deutschen Verbände belegen sie nicht.

Lockheed-Mock-up mit neun Bomben der 750-lb-Klasse. Die handschriftliche Beschriftung auf PDF-Seite 12 benennt die gezeigte Anordnung. Eine 750-lb-Klasse entspricht nominell etwa 340 kg je Bombe. Quelle: Lockheed California Company, „Maximum Weapons Capability – Mock-up Photos“, bereitgestellte Broschüre.
Historisches HerstellerkonzeptAm Boden fotografiertKein deutscher Serienrüststand

Die Broschüre genauer ansehen

Vier weitere Ansichten des Konzepts.

Die Fotos zeigen unterschiedliche Anordnungen. Entscheidend ist jeweils, was sichtbar wird und was die Aufnahme offenlässt.

Was an diesem Konzept bemerkenswert ist

Der schmale Starfighter-Rumpf und die kleine Tragfläche lassen zunächst wenig Raum für Außenlasten erwarten. Die Fotos zeigen, wie Lockheed mit Mehrfachträgern eine deutlich größere Zahl von Lasten darstellen wollte. Das Erweiterungspotenzial liegt hier in der Anordnung und vorgesehenen Integration zusätzlicher Außenlasten – nicht in einer pauschal nachgewiesenen Steigerung der Einsatzleistung.

Die nebeneinander oder nacheinander gezeigten Konfigurationen sind Alternativen. Die gesamte Sammlung der Broschüre ist kein einzelner gleichzeitig mitführbarer Waffensatz. Ebenso werden auf den Fotos nicht eindeutig benannte Lenkflugkörper hier nicht allein nach ihrem Aussehen einem bestimmten Typ zugeordnet.

Quelle: Maximum Weapons Capability, Titelblatt sowie PDF-Seiten 4, 10 und 12 →

04 / Was sich aus den Quellen ableiten lässt

Drei Ebenen, die getrennt bleiben.

01

Deutscher Einsatz

Die Ausstattung der jeweiligen Verbände und Varianten. Dafür sind Rüststand, Zeitpunkt und deutsche Dokumentation maßgeblich.

02

Lockheeds Angebot

Im MAP-Handbuch beschriebene Möglichkeiten. Ihre Umsetzung setzt die jeweils passende Ausrüstung und Integration voraus.

03

Maximum-Mock-up

Eine demonstrierte Erweiterung. Die fotografierte Neun-Bomben-Anordnung ist kein Nachweis einer flugfähigen oder freigegebenen deutschen Einsatzkonfiguration.

Aus der Zahl der fotografierten Bomben allein lassen sich weder eine freigegebene Nutzlast noch eine Reichweite, Manövrierfähigkeit oder militärische Wirksamkeit ableiten. Gerade diese Grenze macht die Broschüre als Quelle interessant: Sie zeigt den Anspruch des Herstellers und das Potenzial, das über die eingeführte deutsche Ausstattung hinausging.

Die Einordnung „nicht umgesetzt“ bezieht sich hier auf die gezeigte Maximum-Konfiguration im Bundeswehr-Einsatz. Die Broschüre allein erlaubt keine Aussage darüber, ob irgendein Betreiber weltweit einzelne ähnliche Optionen erprobte.

Wie weit trägt der Starfighter eine Bombenlast?

Die Technikseite vergleicht drei Flugprofile mit zwei Mk-83 beziehungsweise einer Mk-84 und zwei Mk-83. Reservekriterien und Tankabwurf stehen jeweils dabei.

Einsatzradien mit Bomben vergleichen →

Zu jeder Angabe gehört ein nachvollziehbarer Beleg.

Quellen und Unterschiede →