Der Jäger
Bei den Jagdgeschwadern 71 und 74 diente die F-104G der Luftverteidigung. Radar und Sidewinder-Lenkflugkörper gehörten zur Ausstattung dieser Rolle.
Im Fokus · Lockheed F-104G
Ein außergewöhnliches Flugzeug. Eine ambitionierte Beschaffung. Eine Geschichte mit Licht und Schatten.
Die F-104G im Kalten Krieg: von der Auswahl über den Einsatz bis zur Krise und den Verbesserungen.
Die Geschichte entdecken 01 / Beschaffung · Einsatz · Bewertung
Kleine Tragflächen.
Große Luftfahrtgeschichte.
01 / Ausgangslage & Beschaffung
Ende der 1950er-Jahre suchte die junge Bundesluftwaffe den Anschluss an das Überschallzeitalter.
Gefragt waren hohe Geschwindigkeit, Einsatz bei unterschiedlichen Wetterbedingungen und ein Muster für mehrere Rollen. Der Starfighter stand im Wettbewerb mit der Mirage III und dem Grumman Super Tiger. Für die Entscheidung zählten neben den Flugleistungen das geplante Gesamtpaket aus Flugzeug, Ausbildung, Logistik und europäischer Lizenzfertigung.
Aus dem ursprünglichen schnellen Tagjäger entstand die F-104G als Mehrzweckflugzeug. Radar, Navigation, Flugregelung und eine für die erweiterten Aufgaben ausgelegte Zelle sollten den Einsatz als Jäger, Jagdbomber und Aufklärer ermöglichen. Die atomare Rolle im NATO-Rahmen gehörte ebenfalls zu den Anforderungen.
Die Lizenzproduktion machte das Programm zugleich zu einem großen industriellen Vorhaben. Die Beschaffung lässt sich deshalb nur zusammen mit Luftwaffenaufbau, NATO-Planung und europäischer Luftfahrtindustrie verstehen.
02 / Zwei Schwerpunkte
Primärquellen von Lockheed.
Mit klar benanntem Rüststand.
Abmessungen, Gewichte, J79-Triebwerk, Treibstoff und Reichweite – mit Originalwerten und metrischen Umrechnungen.
Technik im Detail →Bewaffnung / Einsatz & KonzeptDie Bewaffnung der Bundeswehr und Lockheeds Maximum-Weapons-Mock-up als nicht umgesetztes Erweiterungskonzept.
Bewaffnung & Potenzial →03 / Einführung & Einsatz
Die häufig genannte Zahl von 916 deutschen Starfightern umfasst verschiedene Versionen. Sie bezeichnet die gesamte beschaffte Familie, nicht 916 einsitzige F-104G.
Bei den Jagdgeschwadern 71 und 74 diente die F-104G der Luftverteidigung. Radar und Sidewinder-Lenkflugkörper gehörten zur Ausstattung dieser Rolle.
Mehrere Jagdbombergeschwader nutzten das Muster für Luft-Boden-Aufgaben. Zum NATO-Auftrag gehörte neben konventionellen Aufgaben die nukleare Teilhabe.
Bei den Aufklärungsgeschwadern 51 und 52 wurde die RF-104G eingesetzt. Drei Kameras kennzeichneten den Aufklärungsrüststand; die Bordkanone war dafür ausgebaut.
Die Marineflieger nutzten die F-104G für Aufgaben über See. F-104F und TF-104G waren zweisitzige Versionen für die Ausbildung; die F-104F besaß keine Bordbewaffnung.
Quelle: F-40 022 und 025; historische Einordnung: Bundeswehr →
Der Übergang von der „Massive Retaliation“ zur „Flexible Response“ 1967 gab konventionellen Fähigkeiten im NATO-Konzept mehr Gewicht. Ein Flugzeug, das mehrere Rollen übernehmen sollte, stellte damit auch hohe Anforderungen an Ausbildung, Ausrüstung und Einsatzorganisation.
04 / Stationen
Der Prototyp XF-104 eröffnet die Entwicklung. Die spätere G-Version ist ein weiterer Schritt dieses Programms.
Deutschland entscheidet sich für den Starfighter. 1959 folgen Verträge und Vereinbarungen zur Lizenzproduktion.
Ausbildung und Übernahme der ersten Flugzeuge beginnen. Die Einsatzverbände müssen sich auf ein neues technisches Niveau einstellen.
1987 endet der Einsatz in den Kampfverbänden. Bei der Wehrtechnischen Dienststelle bleibt die Familie noch bis 1991 im Flugbetrieb.
Quelle: Flug Revue; Bundeswehr: Geschichte und Außerdienststellung →
05 / Krise & Verbesserungen
Die Unfallserie und die Todesopfer lassen sich von der Geschichte des Starfighters nicht trennen.
Die Einführung verlangte zugleich neue fliegerische Fähigkeiten, eine leistungsfähige Wartung und passende Infrastruktur. Ausbildung, Wetterbedingungen, technische Störungen und die anspruchsvollen Einsatzprofile wirkten zusammen. Eine Erklärung durch nur eine Ursache wird dieser Geschichte nicht gerecht.
Die Bundeswehr nennt 116 ums Leben gekommene Piloten. Bei den Flugzeugverlusten weichen Zahlen und Begriffe zwischen Quellen ab. Die Quellenübersicht erläutert deshalb den Unterschied zwischen genannten Gesamtverlusten und ausdrücklich als Abstürze gezählten Fällen.
Die Reaktion umfasste technische Änderungen, verbesserte Ausbildung und strengere Wartungs- und Qualitätsverfahren. Ein sichtbarer Schritt war die Umrüstung vom ursprünglichen Lockheed C-2 auf Martin-Baker-Schleudersitze vom Typ Mk GQ7A. Das Handbuch von 1963 bildet diese spätere Verbesserung noch nicht ab.
Die Starfighter-Krise wurde auch politisch und öffentlich ausgetragen. Zur sachlichen Bewertung gehören sowohl die Leistungsfähigkeit des Flugzeugs als auch die Grenzen des Systems aus Beschaffung, Einführung und Betrieb.
06 / Historische Aufnahme
Die F-104G 26+69 des Marinefliegergeschwaders 2 in Ramstein am 24. Juni 1984. Mit der späteren Integration des Seezielflugkörpers Kormoran erhielt der Marine-Starfighter eine besondere Bewaffnungsoption.
Foto: Cobatfor / Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0. Originaldatei unverändert, im Layout zugeschnitten.
Die Bewaffnung einordnen →07 / Historische Bewertung
Die F-104G brachte einen großen technischen Sprung und prägte eine Generation von Piloten und Technikern. Ihre Geschichte zeigt zugleich, wie entscheidend Ausbildung, sichere Rettungssysteme, Wartung und die Übereinstimmung von Flugzeug und Auftrag sind. Technische Spitzenwerte allein erklären ihren Einsatz nicht.
Die Grundlage dieser Darstellung →